..:: sexy Pantoffel ::.. Donnerstag, 11. März 2010
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sexy Pantoffel

Hausschuhe kommen heraus aus ihrer Spießer-Ecke. Mit witzigen Styles werden neue Zielgruppen geknackt. Parkett und glatte Böden bescheren häuslichen Patschen oder Indoor-Slippern ein furioses Comeback.

 

Zugegeben: Hausschuhen haftet immer etwas Filzläusiges an. Und wenn man ganz ehrlich ist, sehen die meisten von ihnen auch aus, als röchen sie nach Schweiß und nassem Hund. Das soll nun ein Ende haben. Wer Pantoffeln trägt, bewegt sich haargenau am Puls der Zeit. „Mach langsam“ signalisiert der Puschenträger seiner Umgebung. Denn wer mit Schlappen durch die Wohnung schlurft, bietet dem Fuß naturgemäß wenig Halt, also muss er gemütlich gehen. „Tempo drosseln. Zeit ist Luxus, mehr denn je“, behaupten auch die Hamburger Freizeitforscher, denn die Beschleunigung des Lebens habe direkt etwas mit der Abnahme unserer Lebensqualität zu tun. So gesehen ist der Pantoffel ein absoluter Trendartikel.

 

Betula Kopie_62.jpgBislang werden schätzungsweise bundesweit jährlich 35 Millionen Paar verkauft. „Der Gesamtmarkt inklusive Europa dürfte um drei bis fünf Prozent pro Jahr wachsen“, sagt Egon Minar, Vertriebs- und Marketingleiter bei Giesswein. Denn es sind nicht nur mehr Parkett-, Laminat und glatte Böden, die passionierte Sockenträger zu Hausschuhbenutzern machen, „es ist auch die immer älter werdende Gesellschaft, die es warm um die Füße haben möchte. Dass es Zuhause durchaus gepflegt und trendig sein kann, zeigen hausschuhkreierende Designer: Kean Etro, Chefkreateur des italienischen Desingerhauses Etro, entwirft bildschöne, ethnisch inspirierte Hausslipper. Für bescheidene 250 Euro gibt es butterweiche Lederpatschen und vierfädige Cashmere-Schlappen von Loro Piana, 260 Euro kosten die feinen Treter von Emma Hope.

 

Sky-Dumont- und Rhett-Butler-Typen. Auch preisfreundlichere Anbieter wie Esprit, Tom Tailor, Marc O’Polo, Tommy Hilfiger oder Camel activ kommen mit Häuslichkeit ins Geschäft. Sie siedeln sich mit ihren Fashion-Puschen neben dem breiten Mittelbauch traditioneller Hausschuh-Anbieter an und lassen den Handel spüren, wie man eine neue Generation von Schlappen gesellschaftsfähig macht. Giesswein, der zu den Protagonisten von modernen Haustretern gehört, schreibt „seit drei Jahren zweistellige Pluszahlen“, so Minar.Betula5_35+Schatten_48.jpg

 

Hausschuhe erzählen Geschichten über ihre Träger, und Hausschuh-Modelle lassen sich wunderbar erfassen. Der Rhett-Butler-Typ bei Männern bildet die Feinspitze und setzt auf goldbestickte Samtslipper, die zu Seidenschal und Hausmantel passen. Der nicht minder gepflegte Sky-Dumont-Aufguss ist etwas häufiger verbreitet. Sein Erkennungszeichen sind butterweiche Lederpatschen, die bei jeder Geschäftsreise im Hotel dabei sind. Unterhalb der Hausschuh-Avantgarde bewegt sich ein breites Feld von Normalos, die abends aus den Lederschuhen steigen und es sich in unergründlichen Tretern gemütlich machen. Sehr verbreitet dabei die Zielgruppe der Fußbett-Freaks, die ihre Birkenstocks nicht nur in der Wohnung, sondern auch draußen tragen. Ralf Riek von Betula:  „Wir vermeiden den Begriff Hausschuh. Wir wollen unseren Kunden frei entscheiden lassen, wo er ihn trägt.“ Laut Birkenstock-Pressesprecher Marco Picado hat jeder dritte Deutsche einen Birkenstock zu Hause. Modell Arizona mit den zwei Schnallen ist der weltweit am meisten verkaufte Freizeitschuh. Das Argument „kalte Füße im Winter“ lässt Vertriebsleiter Bernd Hillen nicht gelten. Durch das Fußbett müssten die Zehen greifen, seien in Bewegung und daher immer warm. Außerdem wärme und isoliere der Korkboden.

 

Kalte Füße sind auch kein Hindernis für Leute, die eine Schwäche für Badelatschen Marke Adidas, Puma oder Nike haben. Mann trägt sie in jeder Lebenslage und zuhause am liebsten mit Baumwollsocken. Genau entgegengesetzt verhalten sich typische Hausschuhverweigerer: Sie wechseln ihren pferdeledernen Brogue erst mit dem Schlafanzug. Hilfiger 2_mod+Schatten.jpg

 

Kuschelmodelle für Kapriziöse. Bei Frauen gibt es zum jeweiligen männlichen Gegenstück die Kapriziöse, die zarte Pantöffelchen mit indischer Anmutung ihr Eigen nennt und es gibt die sportlich Bodenständige. Relativ neu in der Zielgruppe der Hausschuhträger sind junge Pantoffel-Freaks, bei denen das Teil schrill und abgefahren sein muss. „Diese Schuhe, oft nicht teurer als acht Euro, gehen im Weihnachtsgeschäft wie nix“, heißt es bei Humanic. Dreißig Zentimeter große Knuddelbären, niedliche Löwentatzen und Kuschelmodelle in Bonbonfarben machen sich zur knallengen Röhrenjeans besonders gut. Überhaupt blüht in der Weihnachtssaison das Geschäft mit Hausschuhen traditionell prächtig. In drei Monaten verkaufe man 100 Paar, ist von Charlie Diehl, Inhaber des feinen Ausstatterladens Diehl & Diehl in Frankfurt, zu hören. Auch Thomas Bach vom Schuhhaus Bach in Rüsselsheim ergänzt mit positiven Erfahrungen:  „Wir merken generell, dass sich bei Hausschuhen etwas tut“.

 

Giesswein75+Schatten.gifModische Modelle zu einem guten Preis gewinnen immer mehr Liebhaber. Gefragt sind freche und authentische Allround-Typen, mit denen man sich sehen lassen kann, wenn es mal an der Haustür klingelt. Das sind junge, freche Pantoletten. Clogs aus Filz, neue Ballerina-Typen und witzige Bio-Modelle mit Fußbett.

Gute kommerzielle Preislagen pendeln zwischen 20 und 30 Euro. Für lederne Treter „und wenn es etwas Besonderes ist, legen die Leute auch bis zu 80 Euro auf die Ladentheke“, so Günther Graf von Fink in Wiesbaden. Bei den Jüngeren sei die Preissensibilität allerdings sehr hoch. Fernostware, so Graf, kriege man bereits für 6,95 bis 15 Euro.

 

Früher beschenkten die Frauen ihre Männer mit Manschettenknöpfen und Schlips. Jetzt sind Hausschuhe ein beliebtes Weihnachtsgeschenk bei Jung und Alt. Bestsellermarken wie Giesswein, Esprit oder Birkenstock werden als Verkaufsfavoriten genannt. Nicht zu vergessen die Bedarfsdecker Marke Romika, Fischer und Rohde sowie der große Anteil der Hausmarken. „Das Geschäft mit Hausschuhen macht richtig Spaß, wenn man ein gutes Angebot hat“, sagt Gabriele Schwedux von Görtz in Hamburg. Die neuen Hausschuhe sind gepflegt, frisch und frech. Da riecht nichts nach Muff und nassem Hund. 

 

Dieser Artikel wurde geschrieben von llona Sauerbier (stv. Chefredaktion pfeile_rechts_blau.gif SchuhMarkt...)

  

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